Pergament leimen - wie wird´s gemacht?

Mit etwas Übung läßt sich Pergament so leicht wie Papier verarbeiten. Die alten Meister verwendeten hierfür traditionell Hautleim. Für den interessierten, aber wenig geübten Laien ist dies jedoch schwierig. Da es sich um Heißleim handelt, muß man zu sehr auf die richtige Temperatur achten, und nicht immer kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Viel leichter lassen sich käufliche Buchbinderleime verarbeiten. So zum Beispiel ein Dispersionskleber mit dem Markennamen Planatol, wie er in Deutschland u.a. vom Künstler-großhandel Boesner angeboten wird.

Ich habe mit diesem Kleber gute Erfahrungen gemacht. Wichtig ist es auf jedem Fall, das Pergament kurz vor dem Verkleben zu entfetten. Und dies auch, selbst wenn es bereits entfettet worden sein sollte. Am gründlichsten gelingt dies mit Azeton (im Baumarkt erhätlich). Wer mildere Lösungsmittel bevorzugt, kann auch Brennspiritus verwenden (aus dem Supermarkt oder der Drogerie), was ähnlich gute Ergebnisse erzielt. Wichtig ist, nach dem Entfetten nicht zuviel Zeit verstreichen zu lassen, denn Pergament enthält im Hautinneren Fett, was auch nach dem Entfetten wieder an die Oberfläche diffundiert. Schwer verarbeiten lassen sich auch Pergamente, bei denen die Haare der Haarseite nicht vollständig entfernt wurden.

Nach dem Entfetten muß die Oberfläche mit einem recht feinem Sandpapier (etwa 100er Korn oder feiner) aufgerauht werden. Dies muß vorsichtig geschehen. Am Besten ist es, zweimal mit leichter Kraft in einer Richtung aufzurauen. Schleift man nicht parallel, so erscheint die geschliffene Fläche von der glatten Seite wie zerkratzt durch. Gerade beim Verarbeiten von sehr dünnen Pergamenten (dünner als etwa 0,25mm) ist dies von Bedeutung. Man darf sie nur leicht Schleifen, da sonst die Kratzer bei der weiteren Verarbeitung durchscheinen würden.

Trotz dieser Einschränkungen sollte weder das Entfetten noch das Schleifen vernachlässigt werden, da das Pergament sonst nicht richtig klebt. In diesem Fall würden sich, wenn man die beklebte Fläche ins Freie oder in einen Raum mit feuchterer Luft legt, Bläschen bilden. Im ungünstigsten Fall löst sich die ganze Pergamentfläche von der Unterlage.

Die Klebflächen sollten beidseitig gleichmäßig und nicht zu dick bestrichen werden. Zuviel Kleber kann sich beim Anreiben des Pergamentes sammeln und leichte Erhebungen bilden. Diese Buckel verschwinden dann auch nach dem Trocknen des Klebers nicht vollständig. Das Verarbeiten sollte recht zügig geschehen, denn die Feuchtigkeit des Klebers läßt das Pergament ausdehnen. Ein solcherart ausgedehntes Pergament klebt sich schlecht. Dies ist hauptsächlich bei dünneren Pergamenten (weniger als 0,25mm) der Fall. Beim Pressen wirft es entweder Falten, die oft nach dem Pressen noch zu sehen sind, oder die ausgedehnten Stellen kleben nicht an der Unterlage und machen sich später als Bläschen bemerkbar. Um diese Blasenbildung zu verhindern, kann man mit einem Bügeleisen (mittlere Stufe) über das Pergament gehen. Erhitztes Pergament zieht sich zusammen und liegt somit plan an der Unterlage an. Nur darf es nicht zu heiß sein, denn sonst schrumpelt das Material zusammen.

Pergament übt auf die Klebunterlage eine ganz erhebliche Zugkraft aus. Eine einseitig beklebte Pappe wird sich aus diesem Grund verbiegen. Um dies zu verhindern muß die Pappe beidseitig mit Pergament beklebt werden. Am besten, man nimmt für die Unterseite das gleiche Pergament, wie für die Oberseite. Grunsätzlich können auch verschiedene Stücke verwendet werden, jedoch sollte man darauf achten, daß das Pergament etwa die gleiche Stärke hat. Ein Unterschied bis zu 0,05mm ist tolerierbar. Größere Unterschiede führen dazu, daß die beklebte Pappe nicht flach liegt, da dickeres Pergament eine höhere Zugkraft hat als dünneres Pergament. Wenn man dies beherzigt, kann man auch mit dünnen Pappen von etwa 1mm Stärke gute Ergebnisse erzielen. Grundsätzlich sollte man jedoch für die Verarbeitung von dünneren Pappen dünneres Pergament von etwa 0,10-0,25mm Dicke verwenden. Wenn die Pappen beidseitig beklebt werden und in der Presse sind, kann man nach etwa einer Minute die Presse wieder öffnen und eventuelle Bläschen mit dem warmen Bügeleisen beseitigen. Man sollte nicht viel länger warten, da die Bläschen höher werden und dann anfangen können, Falten zu werfen, die sich nur schwer wieder glattbügeln lassen.  

Trotz aller Sorgfalt wird ein Pergamenteinband noch lange arbeiten. Am deutlichsten ist dies sichtbar, wenn ein Wetterumschwung feuchte Luft bringt, bzw. das Pergamentbuch in der prallen Sonne liegt. In diesem Fall wird sich der Einband nach innen oder außen wölben. Wenn das Buch unter Spannung getrocknet wurde, wird diese Wölbung nur schwer rückgängig zu machen sein. Auf jeden Fall sollte man es versuchen und ein solcherart verbogenes Buch beschweren.

Detail einer Cordoban-Ledertapete Spanien

Pergament als lebendiges Material des Buchbinders

Ganz im Gegensatz zu Leder, Leinen oder Papier ist Pergament ein sehr lebendiges Material, was im verarbeiteten Zustand erst mit einer gewissen Reife zur Ruhe kommt. Ganz leblos wird es jedoch nie. Gemeint hiermit ist die Eigenschaft des Materials, auf Veränderungen der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und vor allem auf direkte Sonneneinstrahlung zu reagieren und zu arbeiten. Würde man beispielsweise ein frisch gebundenes Pergamentbuch in die Sonne legen, so würde sich die beschienene Fläche durch die Hitze zusammenziehen und der Buchdeckel würde sich nach Innen biegen. Gleichermaßen würde ein frisch aus der Presse genommenes Buch in einem etwas feuchterem Raum – und sei es die Küche – Feuchtigkeit aufnehmen, das Pergament samt Buchdeckel würde sich nach Innen biegen. Solche Verbiegungen sind nur sehr schwer durch erneutes Pressen zu beseitigen. Die Preßkräfte sind umso höher, je frischer das Buch ist, denn es enthält Restfeuchte vom Kleben, was die Biegebewegungen verstärkt. Nach meinen Erfahrungen muß ein frisch gebundenes Buch noch mindestens zwei Wochen unter Druck gelagert werden. Einige Bücher zum Beschweren reichen da vollkommen. Ein gut ausgehärtetes Buch hingegen wird sich beim Wechsel der Luftfeuchtigkeit nicht so schnell verbiegen und ist lediglich gegen direkte Sonneneinstrahlung im Sommer empfindlich. 

Heiliger jüdischer Text auf Pergament

Pergament und unterschiedliche Klebstoffsorten

Traditionell wurde Pergament mit einem ganz ausgefallenem Material verarbeitet. Hierbei handelt es sich um einen Hautleim, der aus der Schwimmblase des Hausen – eines Fisches gewonnen wird. Das ist auch das Material, was Puristen heute noch bevorzugen würden. Oder sie würden gesammelte Pergamentabfälle zu Heißleim kochen, denn Pergament besteht fast vollständig aus Collagen – den Klebstoff des Heißleims. Meine Erfahrungen mit Hautleim waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Der heiße Leim klebt nur in einem ganz bestimmten Temperaturbereich, und wird er zu kalt, klebt er nicht mehr. Ein weiterer Nachteil ist, daß der Leim mit der Zeit brüchig wird. Meine besten Erfahrungen habe ich beim Kleben mit handelsüblichen Buchbindeleimen gemacht. Planatol von Boesner war der Leim meiner Wahl. Auch hier gilt es jedoch einiges zu beachten. So klebt Planatol nach etwa 10 Minuten zwar noch Papier und Leinen, aber seine Kraft reicht nicht mehr für Pergament. Dies ist wichtig, wenn sich im Pergament durch die natürliche Ausdehnung des Materials Blasen bilden. Um diese durch Hitze oder Druck wieder an die Unterlage zu pressen, hat man dieses Zeitfenster von 10 Minuten. Danach wird man mit dieser Blase leben müssen, denn der Leim im Inneren der Blase ist angetrocknet. Wichtig beim Verarbeiten ist ein gründliches Entfetten und Aufrauen des Pergamentes. 

Faximile eines mittelalterlichen Stundenbuches - Spanien

Bedrucken von Pergament mit Tintenstrahl- und Laserdruckern

Man kann Pergament durchaus mit Tintenstrahldruckern bedrucken, wobei man hier einiges beachten sollte. So darf man nicht vergessen, das Pergament beidseitig zu entfetten. Auch sollte es möglichst plan liegen. Hat man die Pergamenthaut als Rolle gelagert, sollte sie solange in die entgegengesetzte Richtung gebogen und gerollt werden, bis es eben aufliegt. Allerdings läßt sich Pergament auch noch mit leichten Krümmungen bedrucken. Am leichtesten geht es mit mitteldicken Pergamenten von 0,2-0,3mm Dicke. Dickeres Pergament bereitet Schwierigkeiten im Druckereinzug und wird teilweise nicht eingezogen. Schwierig zu handhaben sind Fehlstellen des Pergamentes wie Nähte und Unebenheiten. Ein Druck auf solchem Pergament sollte man versuchen, zu vermeiden. Die Gefahr, daß die Tinte dort verschmiert, ist groß.

Da Pergament nicht so saugfähig wie Papier ist, muß man auch allgemein darauf achten, die Tinte nach dem Druck nicht zu verschmieren. Bisweilen muß man das Pergament auch bei der Blattausgabe führen, um ein Berühren der noch feuchten Tinte mit Geräteteilen des Druckers zu verhindern. Nach dem Trocknen der Tinte ist das Pergament genau wie Papier fest bedruckt.

Andern verhält es sich mit Laserdruckern. Grundsätzlich lassen sich Pergamente der angegebenen Dicke von 0,2-0,3mm auch mit dem Laserdrucker bedrucken. Nur wird das Pigmentpulver auf dem Pergament nicht fixiert. Zwar hat man nach dem Druck ein schönes Bild, nur läßt es sich relativ leicht verwischen. Ich habe hierfür noch keine brauchbare Lösung gefunden. Besprüht man das Bild mit Haarlack, so ist es zwar fixiert und läßt sich nicht mehr verwischen, jedoch fängt die Oberfläche an zu glänzen und verändert so ihren ursprünglichen Pergamentcharakter. Bereitet allerdings eine glänzende Oberfläche kein Kopfzerbrechen, so kann man auch Hartöl verwenden, welches normalerweise zum Imprägnieren von Holz verwendet wird.

Detail eines äthiopischen Gesangsbuches

Sonderformen: Äderchen und Jungfernpergament

Eine Besonderheit stellt das als antik bezeichnete Pergament dar. In diesem sind die Blutbahnen sichtbar. Diese entstehen bei natürlich gestorbenen Tieren, vor allem auf der Seite, wo das Tier gelegen hat. Das Blut kann hier nicht abfließen wie bei geschlachteten Tieren, es bleibt in den Adern und gerinnt dort. Das geronnene Blut erzeugt die feinverästelte, meist dunkelfarbige Äderung auf dem Pergament, die ihm den wundervollen Reiz gibt. Das Eisen des Blutes reagiert bei der Pergamentherstellung mit dem Ätzkalk und bildet dauerhafte Farbveränderungen.

Seit dem Mittelalter gibt es Methoden, durchsichtiges Pergament herzustellen. Man nimmt hierzu sehr dünnes Pergament von einem Jungtier, welches dann so dünn wie möglich gekratzt wird. Danach wird das Pergament in eine Lösung aus verdorbenem Weiß-Ei oder in einer wässrigen Lösung von Gummi Arabicum und Fischleim oder einem Pergamentleim eingeweicht. Nach einer solchen Behandlung wird das Pergament ausgebreitet und mit einer Restfeuchte mit der präparierten Lösung eingerieben. Dadurch wird das Pergament durchsichtig. In einem anderen Rezept aus dem 15. Jahrhundert wird die abgeschabte Haut ohne sie zu spannen mit Leinöl eingerieben. Hintergrund der Durchsichtigkeit ist das Trocknen der Haut ohne sie aufzuspannen. Dies zeigt sich in einem Rezept aus dem England des 18. Jahrhundert, wo gewöhnliches Pergament in eine Potasche-Lösung gelegt und dann zwischen zwei Brettern getrocknet wurde. Durchsichtiges Pergament wurde in den klösterlichen Schreibwerkstätten verwendet, um bei Illustrationsarbeiten zu helfen. Es wurde auch in primitiven Lupen und als Ersatz für Fensterglass verwendet.

Das Jungfernpergament wurde im Mittelalter aus der Haut von Schafs- und Ziegenfoeten hergestellt. Die Hautstruktur und Hautfestigkeit ist hierbei voll ausgebildet. Allerdings ist es sehr fein und zart. Es setzte den Standart für hohe Pergamentqualität. Später bevorzugte man allerdings Kälber, da erstgenanntere zu klein sind.

Goldschlägerpergament wird aus dem Blinddarm der Kälber hergestellt. Es ist dünn, widerstandsfähig und es kann gespannt werden, ohne zu zerreißen. Goldschläger nutzten es, um einzelne Goldblättchen zu trennen, wenn sie einen zu hämmernden Block von Blattgold bearbeiten.  

 

Gesangsbuch mit gregorianischen Gesängen - Spanien

Pergament ist wasseranziehend

Zahlreiche mechanische und chemische Prozesse laufen bei der Pergamentherstellung ab. So verändert sich beispielsweise die innere Struktur der bearbeiteten Häute. Durch das Ätzkalk-Bad sowie das mechanische Abschaben besteht die Haut fast vollständig aus Collagen – einen natürlichen Leimstoff, der sich im kalten Wasser nicht löst. Würde man Pergament kochen, so entstünde flüssiger Hautkleber in Form von Gelatine. Zur Pergamentherstellung wird das Collagen-Gewebe der Haut mechanisch verändert. Es entstehen neue Parallelstrukture, deren Molekülketten durch den Hautkleber fest aneinandergeklebt werden. So entsteht eine durchscheinende, feste Oberfläche.

Diese Veränderungen der Hautstruktur lassen neue Eigenschaften entstehen. So ist Pergament grundsätzlich wasseranziehend. Dies macht es in der Fläche instabil. Es weitet sich und schrumpft je nach Sonnenbestrahlung und Luftfeuchtigkeit. Dies führt zu einem natürlichen Wellen des Materials. Ein unbehandeltes Pergament hat eine Restfeuchte von 10%. Bei 70-80% Luftfeuchtigkeit erhöht sich dieser Anteil auf 25%, wobei sich dies über zwei bis fünf Tage hinzieht. Taucht man es in Wasser, dann würde es weich werden und eher einer unbehandelten Haut ähneln. Längere Lagerung bei unter 40% Luftfeuchtigkeit, läßt das Pergament austrocknen. Da Pergament wasseranziehend ist, dauert dies mehrere Monate, oder sogar Jahre. Längere Lagerung unter diesen Bedingungen macht es unflexibel, und schließlich bilden sich Oberflächenrisse, wo dann die Tinte bzw. Farbe aufreißt. Um die Wasserabgabe zu verhindert, verwendete man Wasseranziehende Substanzen wie Gummi Arabicum, Honig, Hautleim und Eiweiß.

Zurück zum Wassergehalt des Pergamentes: Eine der Fertigkeiten der mittelalterlichen Schreiber war der rechte Umgang mit dem empfindlichen Beschreibstoff Pergament. Trocknete dieser zu sehr aus, wurde er überhart und uneben und musste an einen feuchten Ort gebracht werden, um wieder beschreibfähig zu werden. Optimale Bedingungen waren bei konstanter Luftfeuchte nicht unter 40% und bei einer Raumtemperatur um 20°C gegeben.

Diese Erfahrungen prägen auch das Handeln der Konservatoren im Museumsbetrieb. In Museen sollte echtes Kalbspergament bei einer konstanten Temparatur von idealerweise 20 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 25-35% gelagert werden. Bei einer Lagerung bei weniger von 11% Luftfeuchte wird es brüchig. Lagert man es bei mehr als 40% Luftfeuchte wird es anfällig gegenüber Pilzbefall und einem Gelatinisierungsprozeß. Sobald es feucht wird, fängt es an zu faulen.

Weiterhin ist Pergament hitzeempfindlich. Zwar kann es fast unbegrenzt Temperaturen von 100 Grad überstehen, fängt es bei einer Temperatur von 130-150 Grad zu schrumpeln an, was sich nicht wieder rückgängig machen läßt.

Auf der anderen Seite ist Pergament ist beständiger gegen aggressive Tinten und Farben als Papier. Es ist auch nicht so anfällig gegenüber Säure, da es ein aus dem Herstellungsprozess stammendes Basen-reservoir mitbringt.

Kirchenbuch mit Samteinband im Renaissance-Stil - Cordoba

Industrielle Pergamentherstellung

Die chemo-mechanischen Grundlagen der Pergamentherstellung bleiben bis in die Neuzeit erhalten. Hier hat auch der Einsatz neuer Technologien keine Veränderungen herbeigeführt. Selbstverständlich gibt es technologische Innovationen. Die Häute werden als „frische Häute” (gesalzen) oder als „getrocknete Häute” eingekauft. Die Ware wird partieweise zusammengestellt: gleiche Sorte - gleiches Gewicht und maximal 400 Stück pro Fass. Nach gründlichem Spülen und Einweichen erfolgt das Äschern der Häute, dieses bewirkt, dass sich die Poren öffnen und die Haare ausfallen. Dies geschieht in einem Bad aus Schwefelnatrium und Kalkmilch. Nach ein bis zwei Tagen ist die Haut „haarlässig“. Nach erneutem Abspülen wird die erste Teilpartie aus dem Fass genommen und entfleischt. Der Narben, also die Haarseite ist durch das äschern sauber geworden. Die Fleischseite wird mit einer Entfleischmaschine bearbeitet und bis auf die Unterhaut abgehobelt. Nun werden die Blößen (Häute) wieder in ein Fass gegeben, gespült, neutral gestellt und nach ihrem Verwendungszweck sortiert. Die Häute werden nicht per Hand auf die richtige Dicke heruntergekratzt, sondern im feuchten Zustand durch eine Walze geschoben. Dieser Vorgang wird je nach gewünschter Dicke mehrfach wiederholt.

Häufig wurde das Pergament gespalten. Dieses als Zwischenhautpergament bezeichnete Produkt hat eine noch schwächere Hautstruktur als das an sich schon rißanfällige Schafspergamentes, da es durch die Zerstörung der intakten Faserstruktur weiter geschwächt wird. Trotzdem findet es Verwendung in der Restauration von Büchern. Bei diesem Pergament ist die typische Narbenstruktur der Haut nicht weiter erkennbar.

Industriell hergestelltes Pergament wurde in den 1950er Jahren massenhaft zu Lampenschirmen, Möbelbespannungen und im Innenarchitektur verwendet. Es war der klassischen Handarbeit in seiner Qualität unterlegen, da die Industrieware häufiger ölige Stellen aufwies. Diese machte sich negativ beim Gebrauch als Malgrund bemerkbar, da an diesen Stellen die Ölfarbe eher rissig wurde.  

Jüdische Silberbehälter für heilige Schriftrollen

Die Gesundheit der Tiere und die Qualität des Pergamentes

Auf dem bereitetem Pergament läßt sich sehr viel über die Lebensweise und den Gesundheitszustand der Tiere ablesen. Durch Verwundung der Tierhaut entstehen Narben, die sich auf dem Pergament negativ bemerkbar machen. Auch Stiche Läuse und Wanzen können als Narben auf der Hautoberfläche sichtbar werden, wenn das Tier mit Bissen oder Kratzen reagiert hat. Auch ein schlechter allgemeiner Gesundheits-zustand des Tieres läßt isch auf der Haut ablesen. Für die Herstellung ausgewählter Pergamentbücher wurden die schlechteren Häute ausgesondert, denn beispielsweise bei Codex Sianiticus findet man nur kleinere Narben in den Randbereichen. Es ist auch möglich, daß die Tiere für das Buch besondere Pflege erfuhren. Die Qualität des Pergaments hängt von der Qualität der Häute ab. Ein Pergamentmacher mußte im Schlachthaus genau nach eventuellen Hautschäden Ausschau halten. Narben und Insektenstiche sind genauso sichtbar wie die Qualität & Farbe der Hautwolle. Geschecktes Fell wird zu gescheckt aussehendem Pergament verarbeitet. Die schwarzen Haarreste von schwarzbehaarten Ziegen sind als dunkler Schatten auf dem fertigen Pergament sichtbar. Auch Alter und Gesundheit des Tieres zum Schlachtzeitpunkt sind wichtig. Der Einsatz des Joches und Sattels hingegen läßt sich als Hornhaut negativ auf dem Pergament erkennen. Jüngere Tiere erzeugen besseres Pergament. Pergament kann auch von Blutrückständen in den Hautadern seine Farbe verändern, weswegen das Tier gut ausbluten muß.

Detail eines mittelalterlichen Bucheinbandes

Eigenschaften Pergament verschiedene Tierarten im Vergleich und deren Verwendung

Jedes Pergament hat seine ganz spezielle Eigenschaften. Kalbspergament ist dünn und gleichzeitig kräftig und so das traditionelle Material für Buchbindearbeiten und Manuskripte. Es fehlt oft eine erkennbare Flächenstruktur. Ziegenpergament ist etwas preisgünstiger als Kalbspergament. Seine Qualität ist etwas geringer, die Porenstruktur etwas ausgeprägter als beim Kalbspergament. Farbe und Festigkeit schwanken von Fell zu Fell, je nach Lebensweise des Tieres. Im Vergleich dazu ist Schweinspergment beispielsweise als Buchbindematerial kaum zu verwenden. Weiterhin wurden daraus Trommel- und Paukenfellen und Siebböden zum Körnen des Schießpulvers hergestellt. Es wurde ebenso wie Rindpergament früher gerne für Lampenschirme, Wandverkleidungen und Tischplatten verwendet. Schafspergament ist im Vergleich zu Ziegenpergament sehr schwach und anfälig für Risse. Außerdem hat es einen sehr unterschiedlichen Fettgehalt in einem Fell, was sich beim Verarbeiten als sehr ungünstig erweisen kann. Vorteilhaft ist ihre Größe. Sie sind gewöhnlich recht groß und einfach zu verarbeiten, weswegen sie für Möbelarbeiten und Interieur-Gestaltungen verwendung finden.

Ziegenpergament als Material zum Buchbinden gibt es seit Jahrhunderten. Es ist hochdicht und reißfest und durch seine geringe Stärke von wenigen Blatt Papier sehr flexibel und kann so die Beanspruchungen als Bindematerial aushalten. Es kann gefärbt werden. Ziegenpergament wird von einem maßgeblichen Anbieter in der Standarddicke von 0,3mm angeboten. Ziegenpergament wurde historisch für die meisten Buchbindearbeiten verwendet. Durch die Variabilität in Bezug auf Hautstruktur, Charakter und Farbe ist es der ideale Grunstoff für Möbelbezugsarbeiten und Interieur Applikationen. Behandelt wird es ein- bzw. beidseitig für Kalligraphen, unbehandelt ist es für Buchbindearbeiten und Möbelbezugsarbeiten und Interieur Applikationen. Es ist in den Farben natur, weiß und Chreme erhältlich.

Die fertigen Pergamente variieren in der Stärke von hauchfeinen 0.1mm starken Restaurierungs.- und Schreibpergamenten bis über 3mm starken Bongo oder Congafellen für die Musikindustrie. Ein Standartanbieter auf dem deutschen Markt bietet Kalbs-, Hirsch-, Ziegen und Schafspergament an. Es ist in den drei Dicken dick (unter 0,25mm), mittel (0,25-0,45mm) und stark (dicker als 0.45mm) erhältlich. Für die Herstellung von Trommelfellen verwendet man mitteldicke Häute von 0,5 bis 0,6mm Stärke.

Der Pergamentmacher

Heutige Pergamentforschung

Zahlreiche Wissenschaftler haben sich der Erforschung dieses interessanten Naturstoffes gewidmet. Insofern ist dieses Thema mittlerweile sehr gut erforscht. Die verschiedenen historischen Methoden der Pergamentherstellung in Europa wurden detailliert von Autoren wie Ronald Reed, Hedwig Saxl, Richard Johnson und Daniel Thompson beschrieben. Die Arbeiten von William Visscher und Benjamin Vorst erlauben Einsicht in die Arbeit der zeitgenössischen Pergamenthersteller. Ein weiteres, sehr aufschlußreiches Buch stammt von Christopher S. Woods, 2002, From Skin to Parchment. A short description of the nature of skin, the chemical and physical changes brought about when turning skin into parchment and their implications for conservation, PapierRestaurierung Vol. 3 - No.4, S. 13-18. In Heidelberg beschäftigte sich der Sonderforschungsbereich 933 der Deutschen Forschungsgesellschaft „Materielle Textkulturen“ mit der Bedeutung des Pergamentes beim Wissenstransfer.

Bimsstein zum Schleifen des Pergamentes